Tja, eigentlich wollte ich das hier im Blog nicht Thematisieren, weil es absolut nichts zur Sache beisteuert. Ich bin einer von 40.000 – 60.000 in Deutschland lebenden Kleinwüchsigen. Als Kleinwüchsige(n) bezeichnet man, wenn man im Erwachsenenalter eine Größe von 150 cm nicht überschreitet. Meine Kleinwuchsform ist die Achondroplasie und ich bin 140 cm "groß".
Normal habe ich damit auch keine Probleme. Mein Umfeld, sei es privat oder beruflich, hat mich so akzeptiert wie ich bin und gibt mir nicht das Gefühl, anders zu sein. Warum auch? Bis auf die Größe ist ja alles in Ordnung.
Aber als ich heute in einem Forum las, daß eine Mutter mit 5 gesunden Kindern das 6. Kind mit Achondroplasie regelrecht wegsperrt, weil sie den Anblick nicht erträgt und sich fragt, ob sie das Kind "weggeben soll" um wieder mit ihrer Familie glücklich zu sein, ist mir echt der Hut hochgegangen. Ich musste schlucken, um den dicken Klos in meinem Hals herunterzubekommen.
Dann habe ich die folgende Geschichte von Emily Perl Kingsley gefunden, die die ganze Thematik meiner Meinung nach sehr gut umschreibt:
Wenn man ein Baby bekommt, ist es so, als ob man sich auf eine fantastische Reise begibt – nach Italien. Man kauft eine Menge an Touristenführern und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Den Michaelangelo. David. Die Gondeln in Venedig. Man lernt bestimmt auch ein paar Wörter auf Italienisch. Kurz: es ist eine sehr schöne Zeit. Nach einigen Monaten der schönen Vorbereitung ist endlich der große Tag da. Du packst deine Koffer. Einige Stunden später, das Flugzeug landet. Die Stewardess kommt und sagt „Willkommen in Holland".
„Holland?!?" sagst du. „Was meinen Sie? Ich habe doch einen Urlaub nach Italien gebucht! Ich soll doch in Italien sein. Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt nach Italien zu fliegen." Aber da war eine Flugplanänderung. Der Flieger ist in Holland gelandet und du musst da bleiben. Das Wichtigste ist, dass du nicht in einem dreckigen, seuchenverpesteten Land gelandet bist. Es ist nur anders!
Also, jetzt fängst du wieder an und kaufst neue Touristenführer. Du musst jetzt eine völlig neue Sprache lernen. Und du wirst eine total neue Gruppe von Menschen treffen, die du vielleicht niemals kennen gelernt hättest, wenn die Dinge anders wären. Es ist nur ein anderer Ort. Es ist langsamer als Italien, vielleicht nicht so viel Glamour. Aber wenn du eine Zeit lang dort bist, merkst du schnell, dass es auch seine Vorteile hat. Du fängst an, um dich zu schauen: Holland hat wunderschöne Windmühlen, Holland hat Tulpen. Holland hat sogar Rembrandt.
Aber jeder, den du kennst, ist zu beschäftigt, die Schönheit Hollands zu erkennen, denn alle sind auf dem Weg nach Italien. Alle erzählen wie toll es doch in Italien ist und was für eine tolle Zeit der Urlaub doch war. Und – für den Rest deines Lebens wirst du dir sagen: „Ja, das ist der Urlaub, den ich geplant hatte! (Italien) Da wollte ich auch hin!!"
Und das Gefühl verletzt zu sein, einen Traum verloren zu haben, wird nie verschwinden. Denn ein großer Traum ist nicht wahr geworden, ein großer Verlust!
Aber wenn du immer und immer wieder den Verlust deines Italienurlaubs beweinst, wirst du niemals die Schönheit Hollands und dessen spezielle Sehenswürdigkeiten sehen, kennen und lieben lernen. Denn Holland ist – genauso wie Italien – eine Erfahrung für sich und den Betrachter.
Autor: Emily Perl Kingsley
Übersetzung: Andrea Kühne
©1987 by Emily Perl Kingsley
Ich möchte hiermit meinen Eltern danken, daß sie sich für Holland entschieden haben. Und die Geschichte bestätigt meinen Eltern, alles richtig gemacht zu haben. 
Wenn Ihr jetzt noch irgendwelche Fragen habt, immer her damit. Ich bin eigentlich recht offen mit dieser Thematik, wenn man mir nicht dumm kommt.