Mein persönlicher Abtörner in der Kindheit

Frau Flocke von Krötengrün ließ eine schreckliche Erinnerung in mir hochkommen. Sie fragte nach Sachen, die einen in der Kindheit abgetörnt haben. Man wollte bei ihr Fotos von meiner Demütigung sehen. Damit kann ich leider nicht dienen. Aber die Geschichte, die kann ich Euch noch erzählen:

1977, im September. Das ZDF strahlte die japanische Serie „Heidi“ aus. Wir Kinder waren hin und weg von der Serie. Natürlich guckte man das auch als Junge, sagte es aber niemanden bzw. man unterhielt sich nicht mit anderen Jungs darüber. Da war Bud Spencer schon eher ein Thema. Oder sonst halt, was irgendwie „männlich“ war.

Der einzige und im Nachhinein fatale Nachteil war allerdings, das Mutter auch mitbekam, daß ich keine Folge der Serie verpasste. Und so kam sie irgendwann aus der Stadt wieder und hatte für meine Schwester und für mich genau dieses T-Shirt im Gepäck:

Wir sollten uns darüber freuen. Zumindest meine Schwester tat das auch. „Ich versteh Dich nicht, Du magst doch die Serie.“ Es gab nichts zu diskutieren, sie verstand mich nicht und auch nicht die Jungs in den Siebzigern.
Und da meine Mutter mit meinen 7 Jahren ja immer noch mein persönlicher Outfitberater war, landete dieses T-Shirt grundsätzlich einmal die Woche auf den Sachen, die ich anzuziehen hatte. Könnt Ihr Euch eigentlich vorstellen, wie grausam Kinder sein können? Wurde ich doch sowieso in meiner Männlichkeit beschnitten, musste ich mir auch noch einmal wöchentlich einen Spießrutenlauf antun, der sich gewaschen hatte.

Seitdem mag ich die Serie übrigens nicht mehr so doll.

4 Comments

  1. Oh… von Heidi gabs jede Menge Merchandising- Artikel, ich weiss von einem kleinen Jungen, der damals sogar Heidi- Tapete im Zimmer hatte. Kassetten mit den Geschichten von Heidiwaren zu teuer, also wurde jeden Samstag um 14.00 Uhr die neue Folge über Mikrofon aufs Tonband mitgeschnitten und Abends im Bett gehört. Auf die Art und Weise entstand im Laufe der Zeit eine beachtliche Sammlung. :mrgreen:

    Du siehst, Du warst nicht der einzigste Junge, der seine ersten aufkeimenden Hassgefühle auf Fräulein Rottenmeier übertrug 😉

    Gerne hätte ich ja den kleinen Schmollo in dem T-Shirt gesehen, aber diese Geschichte kann Mann sich nicht ausdenken. Ich glaube Dir also und werde nach Pfingsten die 10,– € an Kinder in Not überweisen. 😛

  2. Ach, daran hatte ich jetzt gar nicht mehr gedacht. Aber trotzdem eine edle Geste von Dir. 😆

  3. Ich zeig mich mal solidarisch und oute mich ebenfalls als ehemaligen Konsumenten – geb ich heute aber auch nur im engsten Kreise zu 😉

    LG, Neri

  4. Pingback: kroetengruen.de » Blog Archive » Erbstücke der Kindheit

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