Die Netzdrossel – Eine Schwarzmalerei?

Irgendwann Ende 2016. Die Telekom hat erfolgreich als Vorreiter die Netzdrossel eingeführt. Und alle folgten brav.

Es ist der 5. des aktuellen Monats. Das Internet lahmt wieder rum, weil alle wieder freies Kontingent zum Surfen und sonstige Netzaktivitäten haben und somit das komplette Netz verstopfen. Dieses lässt erfahrungsgemäß erst am 10. etwas nach, wenn die schwachbrüstigen Verträge mit 75 GB Verbrauch gedrosselt werden. Videos ruckeln und Online Banking Sitzungen brechen unangekündigt ab. Mir egal. Ich habe mir sowieso angewöhnt, erst ab Mitte des Monats meine benötigten Downloads zu erledigen. Denn bis dahin spare ich mir meinen Traffic und das Netz ist von allen vorzeitig ausgebremsten Usern nicht mehr blockiert.

Es darf nur nicht sein, dass meine Programme nach einem Update schreien. Diese muss ich sorgfältig einteilen, da sonst mein kalkulierter täglicher Durchschnittsverbrauch durcheinander kommt. So muss man immer genau abwägen, welches Programm man wann aktualisiert, um die Gratwanderung von Sicherheit und Restvolumen zu schaffen.

Da darf es auch nicht passieren, dass einen eine liebgewordene Person per Skype oder Facetime anruft. Vielleicht wird es sich einmal einbürgern, wenn man einen Videoanruf bekommt, der Anrufende nicht mehr fragt „Hast Du gerade Zeit?“ sondern die Frage dann lautet „Hast Du noch Datenvolumen frei?“ Schöne neue Welt.

Itunes, Spotify und Konsorten bieten Musik jetzt wieder nur noch auf CDs an. Lovefilm und Watchever habe ich natürlich auch schon seit langem nicht mehr. Die Kündigung ging relativ unkompliziert, da Videostream Anbieter in dieser Sondersituation überhaupt keinen Sinn mehr darin sahen, ihr Angebot weiterhin über das Netz anzubieten. Videotheken wie früher schießen wie Pilze aus dem Boden. Regelmäßig im Feierabendverkehr kommt es zum Verkehrschaos vor den Videogeschäften. Ebenfalls sind alle aktuellen Blockbuster grundsätzlich gerade verliehen. Ach, was war das schön früher, wo man einfach nur einen Film im Menü auswählen konnte und den dann enspannt genießen konnte. Aber die Entspannung verschwand zusehnst,  da bei jeder Minute Film die Angst im Nacken saß, wieder etliche Megabytes verballert zu haben.

Im Übrigen hat seit Jahresbeginn der Videotext einen ungeheuren Boom erfahren. Man informiert sich wieder bei dem grobpixeligen, aber kostenlosen und datenschonenden Nachrichtendiensten. In Handyzeitungen gibt man den Tip, Apps nicht Mobil oder Zuhause zu aktualisieren, sondern dass man dazu bitte freie Hotspots aufsucht. Auch wenn man dafür rund 40 Kilometer weit fahren müsste, würde sich der Aufwand lohnen.

Die Banken beschweren sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung, dass das Schalterpersonal innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt wurde. Wegen jeder noch so kleinen Überweisung würden die Leute jetzt in der Filiale wieder vorstellig. Ebenfalls müsse das Filialnetz erheblich überdacht werden, um die durch das nicht mehr benutzbare Onlinebanking verlorene Kundennähe wieder zu gewinnen.

Die gelbe Post sowie sämtliche anderen Paket- und Briefdienstleister fahren jetzt mehrfach am Tag ihre Sendungen aus. Es befinden sich zu Stoßzeiten mehr Botenfahrzeuge im Straßenverkehr als sonstige Fahrzeuge. Hauptsächlich werden Datenträger und Briefe transportiert. Seitdem es finanziell nicht mehr tragbar war, größere Datenmengen über das Internet zu senden, wurde die preisgünstigere obwohl langsamere Methode des Kurierdienstes wiederentdeckt.

Selbstgemachte Videos sowie lustige kleine Kurzfilme schaut man sich jetzt zusammen in sogenannten „Compilation Clubs“ an. Dass ist eine Vereinigung Gleichgesinnter, die mittels mobiler Festplatten sich gegenseitig Videos vorzeigen. Und dabei melancholisch in Erinnerungen schwelgt, wie schön es doch war, als man sich mit diesen Videos noch kurzfristig und überall die Mittagspausen versüßen konnte.

Es ist 5:50 Uhr am Morgen. Mein Wecker am iPhone spielt seit einer halben Stunde irgend ein aktuelles Gedudel per Webradio. PER WEBRADIO???? Verdammt, dass hatte ich vergessen. Schweißgebadet beende ich die App. Schaue, was da wieder im Schlaf an Volumen verbraten habe. Schaue aufs Datum. 03.05.2013. Oh mein Gott. Was für ein entsetzlicher Traum. So kann es doch wohl nicht kommen, oder?

Ich hoffe doch sehr, dass unsere Regierung, oder die nächste, etwas gegen diesen Rückschritts-Irrsinn unternehmen. Wir schauen doch auch nicht mehr Schwarzweiß Fernsehen, weil das einfacher und günstiger wäre.

Was denkst Du darüber? Welche Einschränkungen befürchtest Du? Oder wird sich alles von selber regeln?

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