Schulschliessung
Seit 205 Jahren gibt es eine Schule in Lichtringhausen, dem kleinen Dorf, zu dessen Gemeinde ich gehöre. Meine Grosseltern, meine Mutter, meine Freunde, zuletzt die Kinder meiner Cousinen und Cousins und ich – alle gingen sie auf die kleine Dorfschule. Dort lernte man die ersten Freunde kennen. Freunde fürs Leben, Freunde, die einen durch den Schulalltag begleiteten und nach Schulschluss zu den besten Kumpels wurden. Alles das ist jetzt vorbei. Finanzielle Faktoren bestimmen die Entscheidung. Nicht Tradition, Zusammenhalt und Dorfleben. Nicht Freundschaft, Förderung der Kinder, Erhalt des Klassenverbundes. Politiker werden zum Spielball von Zahlen. Denn gerade die jetzt aktuellen Klassen werden bei der beschlossenen Schließung jäh auseinander gerissen. Entscheidungen auf dem Rücken von Kindern ausgetragen werden so in ihrer Kälte potenziert. Denn auch die außerschulischen Interessen verändern sich, je nach dem auf welcher Schule man landet. Man bekommt neue Klassenkameraden, muss ich in eine neue Umgebung eingewöhnen, um dann in der 4. Klasse eine Empfehlung für eine weitergehende Schule zu bekommen. Wie die Empfehlung aussieht, nach dem Gefühlschaos, welches das Kind mit dem Schulwechsel durchlebt, sehe ich schon. Ich hoffe nur, die Verantwortlichen berücksichtigen dies in ihrer Empfehlung.
Jetzt habe ich schon in unserem kleinen Dorf mehrere Kneipenschließungen, zwei Ladenschließungen und eine Schulschließung miterlebt. Und wenn die Bevölkerung weiter abnimmt, werden sie uns auch noch die Kirche, den Briefkasten und die Bushaltestellen kürzen.
Denn das Dorf stirbt. Und den Nachbarn sieht man auch nur noch, wenn er in einer Kiste aus dem Haus getragen wird. Dann haben sie uns soweit. Dann sind wir so wie in der Stadt. Jeder lebt für sich und die Gemeinschaft endet im Hausflur. Üble Aussichten. Überspitzt dargestellt, aber zum Nachdenken gedacht.












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